CHRISTIN BOLEWSKI
this is too beautiful, it can´t be nature

English translation
"This is too beautiful, it can´t be nature"

Work in progress, Audiovisuelles Essay, 2005

"The simulacrum is never that which conceals the truth. - It is the truth which conceals that there is none. The simulacrum is true.", Jean Baudrillard, Simulacra and Simulations, Selected Writings

Hyperreal and Imaginary
Die amerikanische Gesellschaftsstruktur kann als Sinnbild funktionieren für eine vollkommen artifizielle Lebensform basierend auf Simulation und Künstlichkeit. Gesteigert wird diese Erscheinung noch an einem speziellen Ort, in der fiktiven Filmwelt von Los Angeles. Hollywood, Synonym für das Filmbusiness, die Unterhaltungsindustrie und Projektionsfolie weltweiter Träume von Ruhm und Reichtum, verschmilzt in absurder Weise mit dem realen Ort. Es erscheint ein irreales Gebilde aus artifiziellen Protagonisten, Verhaltensweisen und Scheinwahrheiten. Diese ?fiktive Welt? ist dort eins mit der "realen Welt", die durch Ideale der Künstlichkeit geprägt ist........

"Los Angeles is encircled by "imaginary stations" which feed reality, reality-energy, to a town whose mystery is precisely that it is nothing more than a network of endless, unreal circulation: a town of fabulous proportions, but without space or dimensions. As much as electrical and nuclear power stations, as much as film studios, this town, which is nothing more than an immense script and a perpetual motion picture, needs this old imaginary made up of childhood signals and faked phantasms for its sympathetic nervous system.", Jean Baudrillard, Simulacra and Simulations, Selected Writings

Scheinwelten: Hollywood und Urlaubsparadiese
Dokumentarisches Material im Stil des "Direct Cinema" in Kalifornien und insbesondere in Los Angeles, Hollywood aufgenommen, dient als Ausgangsmaterial für ein experimentelles audiovisuelles Essay, das Themen wie Künstlichkeit, Simulation und Realität moderner Gesellschafts- und Lebensstrukturen aufgreift. Die Scheinwelt des weltweit dominanten Hollywoodkinos prägt mit seinen wiederkehrenden Plots, Grundthematiken und Idealen global die Lebensweise und Kulturen vieler Nationen in unglaublichem Außmaß. Insbesondere die westliche Industriekultur wird jedoch auch durch eine zweite Scheinwelt, die der "Urlaubsparadiese" beeinflußt. Als andere zeitlich begrenzte Fluchtmöglichkeit aus der vermeintlichen grauen Alltagsrealität werden hier Sehnsüchte nach Unbeschwertheit, Reinheit und Harmonie in vollendeter freundlicher, paradisischer Natur ausgelebt. Die realen Orte werden in Nicht-Orte der westlichen Phantasien verwandelt, wobei die ?wahre Umstände? vielfach ausgeblendet werden. Ist die Natur dort noch Natur oder Teil der Kulisse? Sind die Abbilder dieser Natur real, oder sind sie zu schön, um echt zu sein? Und was passiert, wenn die Naturgewalt als Katastrophe dort hineinbricht?

Inspiriert durch den Text "Simulacra and Simulations" von Jean Baudrillard entwickelt sich ein experimentelle audiovisuelle Collage basierend auf Video- und Soundmaterial, daß in Amerika, Hollywood und in verschiedenen Ländern und Kulturen der Erde, die als Orte westlicher Urlaubsphantasien bereist werden, aufgenommen wurde: Lebensräume, Transiträume, Scheinwelten, exotische Orte, Klischeebilder der Südseeromantik Informatiosräume, Urbanes, Authentisches. Neben dokumentarischen Filmaufnahmen werden formal postmoderne audiovisuelle Strategien aus der sogenannten "Clipästhetik" verwandt. Das Bild- und Klangmaterial wird durch elektronische Bearbeitung verfremdet und abstrahiert, durch digitale Collage- und Samplingtechniken fragmentiert und in einer assoziativen Montage zusammengeführt, ähnlich wie in meinen anderen Arbeiten ?Constructed Passage? und ?Infinte Trajectory?. Der Versuch ein authentisches Bild mit wahrhaften Abbildern zu schaffen wird hierdurch in sich selbst irregeführt und das dokumentarische Material in Frage gestellt.

Dieses Verfahren raut die Bildsequenzen und Klänge dergestalt auf, dass sich die Zuschauer gleichsam in ihnen gedanklich frei bewegen können. So wird eine dem Inhalt entsprechende Auseinandersetzung mit Echtheit und Künstlichkeit der Bilder und der Ästhetik der postmodernen audiovisuellen Ausdrucksform entwickelt und auch auf der formalen Ebene die Auswirkungen der Simulation thematisiert. Das lädt zu eigenen Assoziationen ein, die sich im Kontrast zu dem ausgewählten und in Ausschnitten einmontierten Zitat von Baudrillard bewähren müssen. So öffnet dieser audiovisuelle Essay für den Betrachter einen Freiraum der assoziativen Selbstbetrachtung, ohne auf intellektuelle Vorgaben und damit Anstrengungen zu verzichten.

Das enstehende audiovisuelle Essay kann als Videoband oder als ein oder mehrkanalige Video- und Audio-Installation präsentiert werden. Gleichzeitig entsteht auch eine Konzeption als Internet-Videoprojekt.