CHRISTIN BOLEWSKI
constructed passage

Die erste und wichtigste Frage lautete: "Wohin sollen wir fahren?" - Nirgends ein Wegweiser, eine Aufschrift, ein Pfeil.

Nicht einmal Kreuzungen gab es, nur alle paar Kilometer, und manchmal sogar alle paar hundert Meter tauchten Sterne, Knäuel und Knoten auf, von denen gleich aussehende Abzweiungen chaotisch in die verschiedensten Richtungen liefen.

Wenn wir in Afrika eine der wenigen Hauptstraßen verlassen, sind wir sofort ohne Orientierung. Es gibt keine Wegweiser, Aufschriften, Zeichen. Es gibt keine genauen Karten. Und obendrein können dieselben Wege je nach Jahreszeit und Wetter ganz unterschiedlich verlaufen.

Die einzige Rettung ist ein Einheimischer, der die Umgebung kennt, die Landschaft zu lesen versteht, die für uns nur eine nichtssagende Anhäufung von Symbolen und Zeichen darstellt. Denn: "Was sagt dir dieser Baum dort?" - "Nichts!" - "Nichts? Er sagt dir doch, daß du jetzt nach links abbiegen mußt, weil du sonst in die Irre fährst."

Auf diese Weise wird der Einheimische, der unauffällige, bloßfüßige Kenner der Landschaftszeichen, der ihre geheimnisvollen Hieroglyphen flüssig zu lesen versteht, zu unserem Führer und Retter.

Ryszard Kapuscinski
The most important question was, which way we should go? No guidepost, sign, or arrow in sight.

There weren´t even any intersections, but every few kilometer, sometimes every few hundred meters, more and more radiating tetacles, couls, and knots, from which secondary offshoots of the same kind branched out chaotically this way and that.

In Africa, if you leave the few main roads, you are lost. There are no guideposts, signs, markings. There are no detailed maps.

Your only hope is someone local, someone who knows the area intimately and can decipher the landscape, which for you is merely a baffling collection of signs and symbols.
"What does this tree tell you?" - "Nothing!" - "Nothing? Why, it says that you must now turn left, or otherwise you will be lost!"

In this way the native, that unprepossessing, barefoot expert on the writing of the landscape, the fluent reader of its inscrutable hierogryphics, becomes your giude and your savior.

Ryszard Kapuscinski