CHRISTIN BOLEWSKI
constructed passage

Der Markt ist in erster Linie die Domäne, das Köngreich der Frauen. Schon zu Hause - im Dorf oder in der Kleinstadt - denken sie daran, daß sie sich zum Markt aufmachen wollen. Für gewöhnlich ist der Markt weit entfernt, und der Weg dorthin und später der Rückweg bieten Gelegenheit zum Plaudern, denn man geht in der Gruppe hin, man kann Beobachtungen austauschen und tratschen.

Wenn man beobachtet, was viele dieser Frauen verkaufen oder einkaufen, kann man sich nur schwer des Eindrucks erwehren, daß die Waren hier nur ein Vorwand sind, um neue Kontakte zu knüpfen und alte zu pflegen. Denn hier verkauft eine Frau drei Tomaten. Oder ein paar Kolben Mais. Welchen Gewinnn hat sie davon? Und doch hockt sie den ganzen Tag auf dem Markt. Sie sitzt da und unterhält sich die ganz Zeit mit ihren Nachbarinnen, sie zanken sich über etwas, dann beobachten sie die ungebende Menge. Wenn sie Hunger verspüren, tauschen sie Speisen, die sie zum Verkauf mitgebracht haben, um dann alles gleich an Ort und Stelle zu verzehren.

Ryszard Kapuscinski
The market is first and foremost the domain and kingdom of women. Their life revolves around the fact that they will soon be going to market, to buy or to sell something. Usually, the market is far away, the expedition takes at least a day, and the road there and back, because they walk in a group, gives them an opportunity for conversation, for an exchange of observations and gossip.
If you look at what many of these women are selling or buying, it is difficult to resist the impression that the merchandise is merely a pretext for establishing or maintaining contacts with others. Here is a woman selling three tomatoes. Or several ears of corn. What profit does she make from this? And yet she sits in the market all day. She sits and talks nonstop with her neighbours, arguing about something, watching the passing crowds, voicing her opinions, making comments. Hungry, she and her friends all swap the products and dishes they had brought to sell, and eat them on the spot.

Ryszard Kapuscinski